john armleder

JOHN ARMLEDER

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24. JANUAR – 14. APRIL 2006

 

John Armleder ist amerikanischer Künstler und lebt in New York und Genf.

 

Weihnachten war gerade einmal aus dem öffentlichen und individuellen Bewusstsein verschwunden, schon hielt es in und über den Köpfen der Y8-Besucher wieder Einzug. John Armleder gestaltete den Raum von Y8 mit einer Unzahl von Überkopf von der Decke hängenden Tannenbäumen verschiedenster Größe. Das Y8-Raster aus 36 Feldern, das den Raum (für die Yogapraxis) konstituiert, war mit leuchtendem Goldgrund übermalt und nur noch als Struktur wahrzunehmen. Die Nummerierung und Ordnung der Felder wurde durch die unübersichtliche, schier endlose Aneinanderreihung der Zahlen für den Ausstellungstitel ad adsurdum geführt und in ihr Gegenteil verkehrt.

 

Durch den Duft der Bäume blieben bei jedem Atemzug in den Asanas die Sinne präsent, während der Meditation hörte man die Tannennadeln wie Stecknadeln zu Boden fallen. Es entstand eine Gemütlichkeit, die für Manchen durch die scheinbar grundlose, doch latente Bedrohung der über Einem schwebenden Bäume leicht gestört wurde. Assoziationen zu Märchen, Geschichten und Theaterstücken tauchten immer wieder in den Gedanken auf, als wäre man in bzw. auf einem Bühnenbild. Der Raum wurde somit nicht nur auf den Kopf gestellt und durch die tief hängenden Bäume in seiner Funktionalität als Yogaraum stark eingeschränkt.

john armleder

Darüber hinaus war dies ganz offenkundig einer der massivsten Versuche von Künstlerseite das Konzept des Y8-Raumes (Künstler bestimmt die Form, das Yoga die Funktion) bis an das Maximum auszureizen.

 

Doch wurde die Raumfunktion, Ort für das Yoga zu sein, auch (unerwarteterweise ?) unterstützt: Der Tannenadelduft und die visuelle Heimeligkeit des Raumes beruhigte manchen Besucher mehr als das ansonsten vorherrschende indische Räucherwerk und die konzeptuelle Klarheit des Raumes. Die Immaterialität des Goldgrundes zitierte frühchristliche Deckenmosaike und ihre Transzendenz - als läge einem der Himmel zu Füßen.

 

Dass John Armleder sich für ausrangierte Weihnachtsbäume entschieden hatte, ließ gerade auch in der zeitlichen Nähe zum Weihnachtsfest auch diffus christliche Assoziationen mitschwingen. Und lag in der Präsenz der kopfüber hängenden Bäume nicht auch ein Ausrufungszeichen: Die Realität ist nicht das, was man sieht!? In Kopf- und Handstand schien die Welt zumindest für den visuellen Sinn glücklicherweise dann wieder in Ordnung. Die fallenden trockenen Tannennadeln mochten für Manchen durchaus wie ein memento mori (ein Gedenken des alle erwartenden Todes) wirken und die Vergänglichkeit der dinghaften Welt schien kurz auf.

 

Seit über dreißig Jahren fertigt John Armleder Kunstwerke in Form von Performances, Objekten und Installationen, die sich in der Tradition von Dada und Fluxus im Spannungsfeld von Kunst und Leben bewegen.

john armleder

Gegenstände und Materialien, die wir aus unserem Alltag zu kennen meinen, bringen ihren eigenen Bedeutungshof aus spezifischen Geschichten und Kontexten mit, die nicht nur untereinander in Interaktion treten, sondern auch mit dem sie jeweils umgebenden Ausstellungsraum, der sie präsentiert: Es entsteht ein komplexer Raum sich überlagernder Ideen.

 

Doch so komplex dieser Raum auch jetzt bereits sein mag, konstituiert wird er erst durch den, der ihn wahrnimmt, durch den Geist des Betrachters. Denn so wie der Geist des einzelnen Betrachters immer wieder durch den Raum und über die Objekte und ihre Kontexte wandert, so konstituiert und verändert er auch den Raum. Auf den ersten Blick scheint der Raum von der Materialität der Objekte geprägt zu sein, doch er löst sich von ihnen und wird zu einem Ideen-Raum, der immer in Bewegung ist, dessen Wahrheit in seiner Präsenz liegt – und weniger in festgelegten Bedeutungen.

 

„You became an artist, a hippy, you entered a sect, so many possibilities which allowed one to take charge in some way, mostly unconsciously, of reforming society.“ (John Armleder)

 

“One can also be sceptical and consider intelligence only. But pleasure is still round the corner and will catch you... .“ (John Armleder)

john armleder