mcbride_rubsamen

RITA MCBRIDE / GLEN RUBSAMEN

FUNKTURM FERN BAR AT THE SPAGHETTI WORKS

13. November 2004 – 01. Mai 2005

 

Rita McBride und Glen Rubsamen sind amerikanische Künstler und leben und arbeiten in Köln und New York.

 

Die bisher einzige Installation bei Y8 ausschließlich in Schwarz und Weiss. Rita Mc Bride und Glen Rubsamen gestalteten die Wände und teilweise den dunkelgrauen Boden des Hauptraumes bei Y8 mit Silhouetten von diversen, meist in Europa befindlichen Funktürmen und von Blumenampeln. Die Funktürme waren ungefähr mannshoch und standen (mit Ausnahme derer, die auf dem Boden innerhalb des Rasters liegen) mit ihrer Basis unmittelbaren auf dem grauen Fußboden. Die mit farnartigen Ranken belockten Blumenampeln hatten ca. Kopfgröße und „hingen“ von Vorsprüngen und Pfosten herab und schienen von dort in den Raum zu schauen.

 

Durch den Abstraktionsprozess und die Technik des Schattenrisses, ihre Größe und ihre Positionierung erhielten beide Grundformen eine überraschende, humanoide Präsenz einer stehende Figur oder eines Kopfes. Dabei schienen sie für den Betrachter unaufhörlich zwischen eher naturalistischen (beispielsweise: Fernsehturm) und abstrakten (stehender Mensch) Wahrnehmung zu changieren – und zugleich dieses Kriterium Naturalismus – Abstraktion ad absurdum zu führen. Denn sehr offensichtlich basierten beide Wahrnehmungen auf derselben Abstraktion nämlich einer schwarzen konturierten Fläche.

mcbride_rubsamen

Auf der inhaltlichen Ebene lassen sich Parallelen finden. Wie die Besucher und Yogaschüler standen die Funktürme offensichtlich beziehungslos nebeneinander und versuchten (idealerweise), ohne dass dies sichtbar würde, gemäß ihrer Funktion und Motivation im Raum Verbindung(en) herzustellen, bzw. in Verbindung zu stehen – denn Yoga bedeutet unter anderem auch Verbindung.

 

Dass sich die Starrheit und Staksigkeit der Türme bei dieser Identifizierung von Turm und Mensch auch teilweise auf die Wahrnehmung der Yoga praktizierenden Menschen übertragen kann, mag als lakonisches Augenzwinkern zur Leichtigkeit der Installation beitragen. Anders als bei ihren bisherigen Arbeiten blieb der Beitrag der beiden Künstler zweidimensional – erst in Kombination mit der Aktivität der Yogaschüler entstand ein (gewohnt) dreidimensionales Werk.

 

Der Effekt für den Besucher war jedenfalls der, dass der Raum beim Betreten bereits von stehenden oder schauenden Wesen bevölkert, besetzt schien, man war nicht allein – ohne sich dieses Gefühl rational erklären zu können. Schließlich standen bzw. lagen da ja nur Schattenrisse von Funktürmen ...

 

Gleichwohl weist diese Installation sehr deutlich über den Raum, der sie beinhaltet, hinaus. Der Blick durch die Oberlichtfenster nach Südosten zeigt den Hamburger Fernsehturm (offiziell Heinrich Hertz-Turm, im Volksmund auch Tele-Michel genannt) und verstärkt den Realitätsbezug der Schattenrisse-Türme. Ähnlich ist es mit den Blumenampeln: der Blick durchs Hoffenster in den nördlichen Innenhof zeigt Blumenampeln und Blumenkästen ringsum auf die diversen Stockwerke verteilt.

mcbride_rubsamen

Der Titel Funkturm Fern Bar at the Spaghetti Works verweist mit Augenzwinkern architektonisch/soziologisch wohl eher auf die heute typische Umwandlung solcher ehemaliger Fabrik- oder Lagergebäude aus dem 19. Jahrhundert in hipp-trendige Bars, Kunsträume und Restaurants zum Chillen und Entspannen.

 

Die Arbeiten der Künstlerin Rita McBride bewegen sich an den Grenzen zwischen Kunst, Architektur und Design. Ihre Installationen, die hinsichtlich ihrer formalen Definition, der Auswahl der Materialien sowie der Produktionsverfahren vielfältig sind, intensivieren beim Betrachter die Wahrnehmung und Interpretation von architektonischen Formen und Strukturen, die die Künstlerin selbst humorvoll hinterfragt.

 

Glen Rubsamen hat McBrides Funktürme durch die Silhouetten von Hängepflanzen ergänzt. Er konzipierte dazu ihm aus seiner Malerei vertraute Formen von wuchernden Pflanzen und stellt sie den Funktürmen gegenüber. Die Arbeiten Rubsamens bewegen sich ansonsten im Feld der Malerei. Seine minutiös von der Fotografie auf den Bildträger übertragenen Gemälde führen Abendstimmungen vor, die mit scherenschnittartigen Pflanzensilhouetten und organisch anmutenden Abbildungen von Straßenlaternen konkurrieren.

 

mcbride_rubsamen
mcbride_rubsamen